
Um kurz vor neun stand ich wieder am Steg.
Angelina sah meine Tasche an.
„Du weißt schon, dass wir heute Abend wieder zurückkommen?“
„Da sind nur Badesachen drin.“
Sie hob eine Augenbraue.
Offenbar glaubt sie mir inzwischen nicht mehr alles. 😄
Ernesto war schon mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt und irgendwo an Bord roch es tatsächlich nach Kaffee.
Diesmal war etwas anders.
Beim ersten Mal stand ich noch daneben und musste überlegen, wo ich überhaupt hingehöre.
Heute stellte ich meine Tasche weg, nahm meinen Kaffee und wusste schon, wo alles ist.
Als wir ablegen wollten, drückte Angelina mir einfach eine Leine in die Hand.
Keine Erklärung.
Kein:
„Weißt du, was du machen musst?“
Einfach:
„Helena, deine.“
Und ich wusste tatsächlich, was sie von mir wollte.
Wenig später lag der Hafen hinter uns.
Ernesto war am Steuer, Angelina kümmerte sich vorne um das Segel und irgendwann hörte ich nur:
„Helena, komm mal.“
Ich ging zu ihr.
„Zieh.“
„Welche?“
Sie zeigte auf die Leine.
„Die.“
Sehr ausführliche Segelausbildung bei Angelina. 😂
Aber genau das gefällt mir inzwischen.
Ich bin nicht mehr die Besucherin, der man alles zeigen muss.
Natürlich ist es nicht mein Boot.
Und die beiden kennen es wesentlich besser als ich.
Aber ich fühle mich nicht mehr fremd darauf.
Später übernahm ich eine Weile das Steuer.
Ernesto saß ein Stück entfernt im Cockpit und trank Kaffee, Angelina lag vorne in der Sonne.
Niemand beobachtete jeden Handgriff von mir.
Vielleicht war genau das heute mein schönster Moment.
Nicht, weil etwas Besonderes passiert ist.
Sondern weil es sich plötzlich vollkommen selbstverständlich angefühlt hat.
Drei Menschen.
Ein Segelboot.
Ein Sonntag auf dem Meer.
Und offenbar bin ich inzwischen für eine Leine zuständig. 😄
Damit kann ich leben.
Und du?
Gibt es einen Ort, an dem du dich überraschend schnell zu Hause gefühlt hast?
Erzähl mir in den Kommentaren, welcher Ort das war. ⛵🌊