Eine Nacht vor Anker

Elena verbringt den Abend vor Anker

Gestern Nachmittag haben wir in Ernestos kleiner Bucht den Anker geworfen.

Und ja „seine“ Bucht nennt Angelina sie tatsächlich. 😄

Nicht weil sie Ernesto gehört, sondern weil er offenbar jedes Mal hierhersegelt, wenn er in dieser Gegend unterwegs ist.

Nach meinem ersten längeren Tag am Steuer war ich eigentlich ziemlich müde.

An Schlaf war trotzdem noch nicht zu denken.

Angelina verschwand irgendwann unter Deck und kam mit Lebensmitteln zurück.

„Ernesto fährt. Ich koche“, erklärte sie.

Ernesto protestierte sofort.

Offenbar ist die Frage, wer von den beiden besser kocht, ein seit Jahren ungelöster Streit.

Ich habe mich sicherheitshalber um Brot, Gläser und Getränke gekümmert.

So saßen wir später zu dritt im Cockpit, während hinter den Felsen langsam die Sonne verschwand.

Dabei habe ich auch ein bisschen mehr über die beiden erfahren.

Ernesto gehört das Boot seit einigen Jahren. Sobald es seine Zeit erlaubt, ist er damit unterwegs manchmal nur für ein Wochenende, manchmal deutlich länger.

Angelina kennt ihn schon viele Jahre und segelt regelmäßig mit. Die beiden wirken manchmal wie ein altes Ehepaar.

Sind sie aber nicht.

Das hat Angelina ziemlich schnell klargestellt und Ernesto nur die Augen verdreht. 😄

Irgendwann drehte Angelina den Spieß um.

„Jetzt wissen wir einiges über dich“, sagte sie. „Aber warum bist du eigentlich allein hier?“

Eine berechtigte Frage.

Ich erzählte ihnen von meiner langen Beziehung.

Davon, dass es keinen großen Streit und keinen dramatischen Abschied gegeben hatte.

Wir hatten irgendwann nur festgestellt, dass wir zwar noch nebeneinander lebten, aber längst nicht mehr in dieselbe Richtung wollten.

Vielleicht war genau das der Moment, in dem ich angefangen habe, mich zu fragen, was ich eigentlich noch möchte.

Später waren Ernesto und Angelina schon unter Deck.

Ich konnte noch nicht schlafen.

Also setzte ich mich allein nach vorne an den Bug.

Kein Licht außer ein paar Sternen.

Kein Geräusch außer dem Wasser am Rumpf.

Und irgendwo zwischen all dem dachte ich:

Vielleicht suche ich gar keinen neuen Ort.

Vielleicht möchte ich erst einmal herausfinden, wie mein Leben aussehen soll, wenn niemand anderes den Kurs vorgibt.

Und du?

Würdest du eine Nacht vor Anker genießen nur das Meer, der Sternenhimmel und die leisen Wellen? Oder wäre dir das zu einsam?

Schreib mir deine Antwort in die Kommentare. 🌙⚓

Schreibe einen Kommentar